Ein Berner namens Christian

begab sich einst zur Gurtenbahn

und liess sich dort im Drahtseil-Wagen

dem Gurtenkulm entgegen tragen.

Ein andrer Berner namens Franz

befuhr die selbige Distanz

- mit einem Unterschiede nur;

indem er nämlich abwärts fuhr.

da nun die beiden Berner Mannen,

darauf bedacht, den Duft der Tannen

sowie die Aussicht zu geniessen,

den Kopf durchs Fenster ragen liessen,

war es mitnichten zu vermeiden,

dass bei der Kreuzung diese beiden

gar heftig aneinanderprallten.

Der Schlussbericht sei kurz gehalten:

In Trümmern lag die Gurtenbahn;

den Köpfen hat es nichts getan.

 

Ein Berner namens Barthlomé

begab sich an den Wohlensee.

Um (teils zum Sport, teils zum Vergnügen)

dem Fang von Fischen obzuliegen.

Er ist von Zwei bis kurz nach Sieben

am Ufer jenes Sees geblieben

und hat trotz diesem ziemlich langen

Verweilen keinen Fisch gefangen.

Ein Fremder hätte nun geschworen,

er habe nichts als Zeit verloren,

der Wohlensee sei eine Pfütze,

die keinem Fischer etwas nütze –

doch Barthlomén, der oft dort fischt,

ist nie ein böses Wort entwischt;

denn erstens ist man so in Bern,

und zweitens hat er Fisch nicht gern.

 

Ein Berner namens Schaltenbrand

begab sich an die Eigerwand,

zu sehn, ob’s ihm gelingen könnte,

dass er den Berg bezwingen könnte.

Er schlug den ersten Haken ein

und setzte langsam Bein vor Bein

und war schon zwanzig Meter weit,

als ihm mit grosser Heftigkeit

drei Steine auf den Schädel prallten.

Herr Schaltenbrand war ungehalten;

er rieb sich seines Kopfes Haut

und sagte vorwurfsvoll und laut:

„Was sy äch das für tonners Löle,

wo settig Chempen ache tröle?

Es tüecht mi fasch, das syge Rueche....

-da gahni gschyder gar nid ueche!“

Ach! Hätte jeder Eigerwandbesteiger Schaltenbrands Verstand!

 

 

Ein Berner namens Hungerbühler

geriet vor einen Autokühler

und weil das Auto sehr in Fahrt war

und die Berührung nicht sehr zart war

verlor er an Boden seinen Stand

und flog ins weite Land.

Er putzte sich den Dreck vom Kragen

und tritt zum demolierten Wagen

und meint zum Helden des Volants:

„Di Fahrwys gfaut mer nid so ganz!“

 

Ein Berner namens Bürki Fritz

begab sich auf den Münsterspitz,

wo er den Blick aufs weite Land

so wundervoll und prächtig fand,

das er in höchstem Ueberschwang

ganz plötzlich auf die Brüstung sprang

und einen Jauchzer von sich gab.

Da bröckelte der Sandstein ab,

und Bürki stürzte vertikal

kopfüber vor das Hauptportal.

Nach seiner Ankunft auf dem Pflaster

erhob sich ohne grosse Hast er

Und griff sich hinters rechte Ohr

und brachte langsam dann hervor;

„Jitz hätt i bald no Schade gnoh,

wenn i nid gringsvora wär cho!“

(Der kluge Leser merkt sogleich:

Die Berner Birnen sind nicht weich.)

 

Ein Berner namens Grossenbacher

stand froh im frisch gepflügten Acher

und blickte auf sein Eigentum

und all die Berge ringsherum.

Da hupte plötzlich jemand wild.

Ein „Merz“ mit deutschem Nummernschild

fuhr zackig vor, und ihm entsprang

aus Düsseldorf Herr Egon Lang.

Herr Lang rief: „Grüezi!“ und erklärte,

dass er für dieses unversehrte

und hübsch gelegene Gelände

als Ferienplatz Verwendung fände,

wobei er sich’s was kosten lasse,

denn schliesslich sei er gut bei Kasse ...

Der Bauer blickte sonderbar

Und sprach dann langsam, fest und klar:

„Mach, dass de furt chunnsch –

aber gschwing,

süsch überchunnsch e Chemp a Gring!“

Herr Lang, der „Chemp“ und „Gring“ nicht kannte,

doch ihren Sinn erahnte, rannte

zum Kraftfahrzeug und fuhr zurück

nach Düsseldorf. Das war sein Glück.

 

 

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